Becoming Teal

Mal kurz die Fakten vorab:

  • Meine Mitgründerin musste sich aus familiären Gründen komplett zurückziehen.
  • Meine neu gewonnene Klarheit nach meiner Visionssuche sorgt für eine deutliche Kurskorrektur.
  • Ich glaube ich habe alles ganz schön aufgewirbelt und gefühlt jeden Stein umgedreht.

Der Preis der Klarheit

10 Tage hatte ich mich zurückgezogen. Eine intensive Visions-Intervention, von der ich mir mehr Klarheit versprochen hatte. Das ein Traum alleine nicht ausreicht hatte ich dir schon erzählt. In den letzten Wochen habe ich im Alltag versucht meine Vision transparent zu machen, meine Schlüsse für die anstehenden Vorhaben, Partnerschaften und Projekte zu ziehen.

Es hatte sich schon angedeutet, dass sich einiges ändern würde. Tief im Inneren wurde aus einem diffusen Gefühl immer mehr Klarheit. Und mit der Klarheit kam überraschenderweise eine große Unsicherheit, eine starke Angst.

Wenn du plötzlich genau weißt, was du willst, gibt es keine Ausreden mehr. Deine Bereitschaft für ein „Nein“ ist deutlich gestiegen. In diesem Moment spürst Du: Jetzt gehst du dahin, wo es wehtut.

Ich weiß nun, dass mir das allerheiligste, der zentrale Kern meiner Vision ist mich als ganzer, wahrer Mensch zu zeigen. Die authentischte Version meiner Selbst mit all ihren Facetten, Ecken und Kanten möchte ich fortan zeigen und leben.

Und mir ist klar, dass ich mich für eine Welt engagieren möchte, in der das für jeden möglich ist.

In einem schmerzhaften Prozess habe ich zunächst zu allem „Nein“ gesagt, um in Zukunft viel bewusstere und damit auch deutlich ehrlichere „Ja’s“ aussprechen zu können.

Tja, da stehe ich nun. Im ersten Moment fühlt es sich tatsächlich allein an. Aber es führt kein Weg an meiner Erkenntnis vorbei:

Die logische Schlussfolgerung ist für mich, dass ich nur Teil einer Organisation sein will, wenn meine Vision gleichzeitig essentieller Kernzweck dieser Organisation ist. Die Organisationsstruktur, die Organisationskultur, die Prinzipien, Haltungen und Prozesse, einfach alles muss darauf ausgerichtet sein, dass jedes Mitglied dieser Organisation die Chance zur freien Potentialentfaltung erhält.

Solch eine Organisation sollte ein lebendiger Organismus sein, die jedem die Möglichkeit bietet zur wahrsten Version seiner selbst zu werden.

Schluss mit Maskeraden, Schluss mit der Glorifizierung der Leistungskultur auf Kosten des privaten Glücks.

Es mag verrückt klingen, doch nicht für mich. Denn ich weiß:

Es gibt diese Art von Organisationen bereits, es sind die sogenannten „teal organizations“, wie Frederic Laloux sie beschreibt. Sie sind geprägt von

  • „Self-Management“ anstatt Hierarchie, Kontrolle und Misstrauen,
  • „Wholeness“ anstatt Reduzierung des Menschen auf „Human Resources“,
  • „Evolutionary Purpose“ anstatt sinnfreier und lebloser Leitbilder.

Laloux hat durch seine umfassende Recherche unterschiedlichste Unternehmen entdeckt, die so arbeiten, die die Zukunft der Arbeit bereits viele Jahre leben. Und nicht nur das, er hat auch wichtige Gemeinsamkeiten im Sinne von Basisprinzipien, sowie konkreten Prozessen und Methoden herausgearbeitet und aufbereitet.

Die Blaupause für die Zukunft der Arbeit liegt direkt vor unserer Nase. Wir müssen nur noch zugreifen!

Warum ist es dann so schwer? Warum machen wir es nicht einfach?

In meiner Ausbildung zum Prozessbegleiter für globale Transformation habe ich bereits Knowhow in diesem Bereich aufgebaut. Ich kenne zentrale Kompetenzen, die man braucht um collective leadership leben zu können. Ich habe gruppendynamische Prozesse mit solchen Haltungen und solch einem mindset im Hintergrund am eigenen Leib spüren und erleben dürfen.

Und trotzdem ist es mir nicht gelungen die Prinzipien einfach so, mir nichts dir nichts, in die Praxis umzusetzen.

Warum?

Eigentlich ist es ganz einfach, ich habe nur einige Monate gebraucht um es zu verstehen:

  1. Ich hatte diese Vision nie in aller Deutlichkeit ausgesprochen.
  2. Ich bin immer von mir als Individuum und Ego ausgegangen.
  3. Ich, das Ich ist der falsche Ausgangspunkt für einen evolutionary purpose.

Wenn ich es mir und Menschen ermöglichen möchte Teil eines lebendigen Organismus zu sein, der einem „higher purpose“ folgt, der seinen purpose evolutiv entwickelt und Raum für wahre „wholeness“ bietet, dann muss ich lernen loszulassen.

Loslassen!

Das ist es was ich nun tue. Ich höre auf die Talententwickler dazu zu zwingen irgendwie „teal“ zu werden. Ich höre auf das Gesicht einer Marke zu sein, das alles steuert, lenkt und einfädelt. De facto bin ich gerade alleine. Meine Mitgründerin musste sich aus familiären Gründen zurückziehen. Aber vielleicht liegt auch eine Chance in diesem Dämpfer.

Nun gestalte ich meinen Antrag auf Gründerzuschuss auf Basis einer freiberuflichen Tätigkeit. Dadurch erarbeite ich für mich ein noch klareres Fundament:

  • Welche Kernkompetenzen möchte ich in meiner Selbstständigkeit einbringen?
  • Welche Dienstleistungen kann ich damit konkret anbieten?
  • Wie kann ein Geschäftsmodell aussehen, das meine Vision unterstützt?

All diese Fragen kann ich erst einmal für mich alleine beantworten.

Und parallel geschieht etwas Wunderbares, denn ich weiß, dass es da draußen Menschen gibt, die ähnliche Sehnsüchte haben wie ich. Vielleicht wissen sie noch nicht genau was „teal“ bedeutet und warum ich ständig auf diesem Laloux herumpoche. Aber ich spüre es, die Zeit ist reif diese Menschen zu versammeln.

Ich stelle mein Ego zurück, bereite einfach nur ein Spielfeld.

Und dann testen wir es mal, wie man es schaffen kann einem „evolutionary purpose“ zu lauschen. Geht das? Kann eine Gruppe von Menschen einen gemeinsamen purpose entdecken, der alle individuellen Visionen vereint, jedem die Chance gibt zur besten und vollständigsten Version seiner Selbst zu werden? Einzel-Egos in einen lebendigen Organismus integrieren?

Ich glaube ganz fest daran. Es braucht sicherlich die Bereitschaft sich in einen ergebnisoffenen Prozess zu begeben. Und mit der Basis meiner freiberuflichen Tätigeit kann ich mich zu einem späteren Zeitpunkt, der sich ganz organisch ergeben wird, wieder eingliedern in die dann neu formierte Organisation.

Was bedeutet das nun für die Talententwickler?

Was mir bewusst geworden ist: Es ist einfach stark, dass „die Talententwickler“ nun schon eine Marke sind. Es gibt ein Image, es gibt einige Hundert Menschen da draußen, die ein Bild von den Talententwicklern haben. Wir haben schon gewirkt und einiges auf die Beine gestellt. Es gibt diese Website, es gibt die Facebookseite, die Emailadressen, Erfahrungen und erste Konzepte. Es ist eine Plattform, ein riesiges Netzwerk, auf dem man aufsetzen kann.

Was ich tun werde, ist diese Basis-Plattform an diejenigen Menschen zu verschenken, die sich trauen sich auf die abenteuerliche Suche nach einem „evolutionary purpose“ zu machen. Gerne werde ich Teil dieses Prozesses, als ein Teilgeber von vielen. Was auch immer das später genau bedeuten wird.

Bis dieser gemeinsame purpose gefunden ist und das neu formiete Team entscheiden kann, ob „die Talententwickler“ die geeignete Ausgangsbasis für die Erfüllung des noch zu findenen purpose ist, wird diese Plattform ruhen.

In der Zwischenzeit musst du nicht untätig bleiben. Vielleicht triggern dich Aspekte dieses Artikels, vielleicht willst du Teil dieser Abenteuerreise werden. Dann lade ich dich ein der Expedition Sinn: Co-Creation-Group beizutreten. Dies könnte die Ansammlung von Menschen sein, die den Schritt in Richtung Abenteuer wagt.

Bis es so weit ist werde ich persönlich meinen Antrag auf Gründungszuschuss stellen. Und nebenbei schon wieder das nächste Selbstexperiment starten. Denn mein Ziel ist es mithilfe eines spontan aufgestellten Power-Teams innerhalb von 4 Wochen die Basis für eine erfolgreiche freiberufliche Selbsständigkeit als Prozessbegleiter, Autor und Speaker für eine bessere Welt zu legen. Und damit nicht so lange wie ich in Ehrfurcht vor solchen Anträgen und der Herkulesaufgabe einer Geschäftskonzept-Entwicklung plagen müssen, werden wir das Ergebnis open source zur Verfügung stellen.

Wer weiß, was noch so alles passiert.

Ich nutze die für mich gewonnen Klarheit und habe dem Universum nun deutlich mitgeteilt, was ich mir wünsche.

Vielleicht habe ich ja das große Vergnügen schon in wenigen Monaten Prozessbegleiter bei der organischen Entwicklung einer „teal organization“ zu werden. Es wäre mir ein inneres Blumen pflücken. Vielleicht werden die Talententwickler zum Werkzeug eines „higher purpose“. So oder so:

„Becoming Teal“ halte ich in jedem Fall für eine lohnenswerte Vision.

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