Warum ein Traum allein nicht ausreicht

Dies ist ein Text, den ich (Chris) aus einem tiefen Impuls geschrieben habe. Er könnte Bestandteil des Buchprojektes „112 für dich und die Welt“ werden und gibt Einblicke, was gerade bei mir und bei uns im Startup los ist.


Der 01. Januar 2016: Ein großer Tag! Ich hatte es endlich geschafft das Hamsterrad zu verlassen. Mein Angestellten-Dasein war beendet, ich war endlich frei. Seit nunmehr drei Jahren arbeitete ich an meiner persönlichen Transformation. Aus dieser Erfahrung heraus war mir klar:

Jetzt kannst du dir erstmal Zeit nehmen. Zeit um…
…deinen Rhythmus zu finden,
…gesund zu werden,
…all deine Träume wahr werden zu lassen.

Doch wie genau sahen meine Träume aus? Glücklicherweise hatte ich im Jahr 2015 bereits sehr viel probieren, experimentieren und testen können. „Die Talententwickler“ war wie ein Versuchslabor für mich, in dem ich völlig frei außerhalb der corporate-Welt neue Rollen einnehmen und definieren konnte. So wurde mir Schritt für Schritt klarer, was ich nicht will. Gleichzeitig haben sich viele neue Möglichkeiten und Wege aufgetan. Doch es kam die Frage auf:

Was ist es ganz genau, was ich will?

Ich hatte schon häufiger im Laufe meines Transformationsprozesses (in Büchern, durch bekannte Coaches und auf Workshops) von der Idee des „Visionboard“ gehört. In munterer Experimentierlaune hatte ich mir vorgenommen mein erstes eigenes Visionboard zu basteln. Mithilfe von sehr wirkungsvollen Video-Kursen von Veit Lindau und dazu gehörigen geführten Meditationen hatte ich die passende Inspiration bereits parat. Sehr hilfreich für diesen Prozess waren auch meine persönlichen Notizbücher, die bereits einige Bestandteile als ungeordnete Puzzlestücke bereit hielten. Diese wollten nur noch für eine klare Vision neu zusammengesetzt werden.

Was braucht es noch um völlig frei zu träumen und sich erlauben groß zu denken?
Nach meiner persönlichen Erfahrung ist dies vorallem: Zeit und Freiraum!

Der Vorteil an meiner Selbstständigkeit war, dass ich mir meine Zeit nun völlig frei einteilen konnte. Ich habe mir erlaubt tatsächlich meinem natürlichen Rhythmus zu folgen. Manchmal habe ich Nächte lang wach gelegen, manchmal tagsüber gefaulenzt und geschlafen. Ich bin sehr meiner Intuition gefolgt. Insgesamt habe ich den Großteil der ersten drei Januar-Wochen intensiv an meinem Visionboard gearbeitet.

Eine wundervolle Zeit, in der ich, trotz der vielen Zeit für mich selbst, einen sehr coolen Vortrag (Die Revolution der Potentialentfaltung) gehalten und gemeinsam mit der Studenteninitiative Plurale Ökonomik die Konferenz Arbeit is(s)t Leben auf die Beine gestellt habe.

Am Ende war es fertig. Mein persönliches Visionboard:

Visionboard V1.0

Visionboard V1.0 by Christopher Batke

In meinem Büro habe ich mir extra eine Ecke freigeräumt in der ich das Schmuckstück aufhängen konnte. Drumherum sammeln sich nach und nach weitere Inspirationsmaterialien und Feedbackbögen aus den coolsten Events und Workshops, die mich Woche für Woche immer wieder neu motivieren noch einen Schritt weiterzugehen.

So weit so gut.

Es gab nur ein Problem: Irgendwie bin ich trotz inspirierendem Visionboard wieder im Hamsterrad gelandet!

Wie konnte das passieren?

Ich hätte an dieser Stelle sagen können:

  • Siehst Du: Träumen bringt nichts!
  • Die Realität holt einen halt ein!
  • Das war halt alles nichts mehr als Wunschdenken!

Ich habe mir allerdings die Zeit genommen die Situation genauer zu beleuchten. Folgendes ist geschehen:

Nach einem höchst achtsamen Arbeitsmonat Januar (mit dem ich sehr zufrieden war, auch wenn ich immer noch keinen klaren Plan hatte wie ich eigentlich Geld verdiene, ob ich ALG I und Gründerzuschuss bekomme und vieler weiterer offener Fragen), kam eine Phase die wie im Zeitraffer dahinflog.

Du kennst das bestimmt: Einmal ins Hamsterrad eingestiegen können wie im Vorbeigehen plötzlich sieben Wochen vergangen sein.
Das ist mit tatsächlich passiert!

Mitte März fiel es mir durch eine totale Banalität auf: Ich hatte seit 5. Februar meinen Abreißkalender mit Sinnsprüchen, der immer auf meinem Schreibtisch steht, nicht mehr fortgeführt. Sieben Wochen! Holy shit!

Wie ging es mir in diesem Moment?

  • Ich fühlte mich abgekämpft, weil ich doch viel mehr gearbeitet hatte als ich eigentlich wollte.
  • Ich war unzufrieden, weil ich zwar 1000 Sachen angefangen hatte, aber mit nichts so wirklich vorankam.
  • Ich spürte innerlich starke Widerstände und das äußerte sich auch in meinen beruflichen Beziehungen.
  • Ein diffuses Gefühl wieder fremdgesteuert zu sein hatte mich ereilt.

Es hat mir wirklich zu schaffen gemacht. Wie konnte mir das nach so kurzer Zeit passieren, jetzt da ich doch mein eigener Herr war?
Glücklicherweise kam just in der verrücktesten aller bisher da gewesenen Startup-Wochen ein kurzfristig geplanter Urlaub dazwischen. Meine Freundin liebt es zu verreisen, genauso wie ich. Sie hatte gerade ihr Referendariat beendet und ebenfalls eine ziemlich anstrengende und kräftezehrende Phase hinter sich. Wir freuten uns auf sieben Tage Strand, Hotel und Wellness. Im Urlaub ist es mir dann wie Schuppen von den Augen gefallen.

Ich hatte einen fatalen Fehler gemacht!

Zwar hatte ich mir ein Visionboard gebastelt und auch eine grobe, romantische Vorstellung davon wie die Zukunft einmal aussehen könnte. Was ich aber nicht getan hatte, ist mir konkrete Entscheidungshilfen für den Alltag zu basteln.

Was bringt dir ein toller Traum, wenn du nicht in der Lage bist im Alltag die kleinen Entscheidungen danach auszurichten, dich konsequent in Richtung deiner Träume weiterzubewegen?

Stell es dir wie folgt vor:
Du warst Jahre lang im Hamsterrad und hast neidvoll um dich geblickt, wenn ab und zu es jemand gewagt hat auszusteigen. Eines Tages steigst du selbst aus dem Hamsterrad aus, du bekommst auch reichlich Unterstützung. Du entwickelst sogar eine tolle Zukunftsvision. Es ist ein Horizont der leuchtet und strahlt. Du bist begeistert und glücklich allein bei dem Gedanken an diesen Traum. Ja, eines Tages wirst du dort angekommen sein!

Und dann stehen die ersten Weggabelungen an. Du musst Entscheidungen treffen. Hier ist eine Chance, ergreifst du sie? Na klar! Dort eine neue Projektidee, springst du auf? Na klar! Dort ist jemand, dem du helfen könntest. Hilfst du? Na klar!

Und Schritt für Schritt hatte ich ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken dutzende Weggabelungen gefunden und war mir nichts dir nichts wieder ganz nah dran am Hamsterrad.

Der entscheidende Fehler war, dass ich meinen alten Autopiloten vergessen hatte.

Jahre im Hamsterrad haben dazu geführt, dass ich ungünstige Verhaltensweisen im Alltag entwickelt hatte. Ich musste also erst einen Weg finden diese Verhaltensweisen abzulegen, um mich wirklich konsequent mit der Verwirklichung meiner Träume beschäftigen zu können.

Hier einige Beispiele, die dir helfen sollen das Ganze greifbarer zu machen:

  • Ich bin es gewohnt mich von einer spontanen Begeisterung leiten zu lassen.
  • Ich unterschätze regelmäßig den Aufwand von Aufgaben.
  • Ich überschätze meistens meine zeitlichen und physischen Ressourcen.
  • Ich kann sehr schlecht „Nein“ sagen.
  • Ich betreibe sehr gerne networking.
  • Ich liebe es neue Ideen zu kreieren.
  • Ich gehe mit Begeisterung in neue Begegnungen.
  • Ich würde am liebsten die ganze Welt retten und denke manchmal, dass ich das ganze Alleine machen muss.

Du kannst dir jetzt sicher vorstellen, dass die Kombination dieser Eigenschaften und Verhaltensweisen einen gefährlichen Cocktail ergeben. Mein Kalender war jede Woche extrem gefüllt. Ich habe also selten inne gehalten um zu überprüfen, inwiefern ein neuer Kontakt, eine neue Idee, ein neues Projekt usw. tatsächlich dafür dienlich sind meine Träume wahr werden zu lassen.

Hinzu kam, dass für  mich im Angestelltenverhältnis vieles „Scheiße“ war und dadurch ziemlich viel anderes per se „besser“. Um einen Traum zu verwirklichen sollte man jedoch auch zwischen „gut“ und „sehr gut“ unterscheiden können.

Mittlerweile führten selbst „gute“ Richtungsentscheidungen dazu, dass ich unbewusst wieder auf Autopilot geschaltet und mich so Schritt für Schritt zurück zum Hamsterrad begeben habe.

Gott sei Dank konnte ich durch den Urlaub eine persönliche Intervention einleiten. Durch den Abstand zum Alltag und mithilfe wundervoller, inspirierender Bücher (z. B. Die Kunst anders zu leben) habe ich herausgefunden, was das Problem war:

Ich hatte viel darüber nachgedacht WAS ich den alles tolles machen will. Ich hatte aber gegenüber mir und meinen Geschäftspartnern nie transparent kommuniziert, was mein WARUM und allen voran mein WIE beim Arbeiten eigentlich ausmachen soll.

Gerade die Frage „Wie will ich eigentlich arbeiten?“ hatte ich total aus dem Blick verloren und einfach nur stumpf die nächsten To Dos in den Projekten abgearbeitet.

Es hat einiges an Überwindung gekostet meine inneren Widerstände an meine Geschäftspartner zu kommunizieren und es hat auch tatsächlich einiges an Irritation und Unsicherheit ausgelöst. Machen wir jetzt unsere geplanten Projekte doch nicht? Scheitert gar unsere Partnerschaft? Was bedeutet das jetzt alles?

Glücklicherweise habe ich mich mit Menschen umgeben, die ein Verständnis für persönliche Prozesse und inneres Wachstum haben. Diese Menschen kennen die Bedeutung von Träumen und Visionen sehr gut. Zwar hätten sich alle eine etwas frühere Klarheit gewünscht, aber am Ende des Tages war es kein Problem, dass ich für mich gesagt habe:

„Lass uns noch mal auf Pause drücken. Ich muss zunächst einen Schritt nachholen!“

Was war es also ganz konkret, das gefehlt hat?

Mir fehlte eine Brücke in den Alltag, die mir und all meinen Menschen in meinem Umfeld ganz transparent und einfach helfen konnte zu entscheiden, ob…
…wir tatsächlich ein gemeinsames WARUM haben,
…sich unser Wünsche des „Wie wollen wir arbeiten?“ ähneln,
…welche Projekte und Aktivitäten am ehesten dazu beitragen mich der Realisierung meiner Träume näher zu bringen.

Was ich brauchte, war eine Entscheidungshilfe!

Das Gute: Ich wusste, dass ich das Rohmaterial bereits beisammen und mit meinem Visionboard ein solides Fundament hatte. Nun musste ich mir nur noch erlauben eine komplette Auszeit zu nehmen. Auch dieser Schritt hat mich noch einmal einiges an Überwindung gekostet, da ich vielen Netzwerkpartnern Termine absagen musste (unter anderem auch Termine, um an dem oben genannten Buchprojekt zu arbeiten).

Es kamen Fragen und Zweifel auf:

  • Haben die Leute Verständnis dafür?
  • Gehen jetzt vielleicht einige Vorhaben in die Brüche?
  • Halten mich manche jetzt für unzuverlässig?

Klar, die Gefahr bestand. Aber die viel größere Gefahr wäre es gewesen, einfach in der Komfortzone sitzen zu bleiben und mich dem Schicksal des Hamsterrades erneut zu ergeben. Das wollte ich auf keinen Fall!

Was folgte war eine 10-tägige Klausur mit mir selbst (die eigentlich nur 8 Tage dauern sollte), in der ich meine Vision geschärft und in eine praxistaugliche Entscheidungshilfe für den Alltag übersetzt habe.

Diese intensive Phase der Visionssuche und -schärfung neigt nich nun dem Ende entgegen. Ich habe mich dazu entschieden den Prozess transparent zu dokumentieren und werde dir in nächster Zeit Einblicke über ein Videotagebuch geben. Denn ich weiß:

Das Hamsterrad lauert für uns alle, es ist omnipräsent. Eine Vision, die du auch schaffst im Alltag zu leben, kann extrem dabei helfen den richtigen Kurs beizubehalten. Ich möchte, dass du und ich, wir gemeinsam daran arbeiten unsere Träume Wirklichkeit werden zu lassen.

Vielleicht helfen dir meine Einblicke und geben dir den ein oder anderen Impuls, den du für dich nutzen kannst.

Ich bin sehr gespannt auf die nun kommende Phase:

Jetzt gilt es die neu gewonnene Klarheit an all meine Geschäfts- und Netzwerkpartner zu kommunizieren. Jeden Stein noch einmal umzudrehen, um so die Vision tatsächlich im Alltag leben zu können. Es wird ein schwieriges Unterfangen und ich befürchte, dass es auch einige Kurskorrekturen erfordert, die mir (und vielleicht auch anderen?) weh tun wird. In meiner wundervollen Ausbildung zum Prozessbegleiter für globale Transformation habe ich gelernt:

Der Preis für mehr Bewusstsein ist Schmerz.

Es ist nicht leicht sein eigenes Leben zu führen und sich 100% ehrlich und als ganzer, wahrer Mensch zu zeigen. So ist die Kultur unserer Arbeitswelt momentan einfach (noch) nicht gestaltet. Ich weiß, dass ich unkonventionelle Wege beschreite und diese es nicht gerade leichter machen „erfolgreich“ zu sein. Aber für mich ist klar: Nur dieser Weg wird mir helfen wirklich mein bestmöglichstes Leben schon heute zu führen und immer mehr zur wahrsten Version meiner Selbst zu werden.


Zum Schluss würde mich interessieren:

  • Kennst du solche Phasen?
  • Wie gehst du damit um?
  • Möchtest Einblicke in die Herangehensweise und Erkenntnisse meiner Visionssuche erlangen (z. B. über ein Videotagebuch)?

Wenn ja, dann freue ich mich über dein Feedback über unsere Facebook-Seite oder direkt an christopher.batke@talententwickler.de!

Und danke an alle, die in dieser Phase von mir Terminabsagen hingenommen haben. Ich weiß, manchmal ist es sicherlich nicht einfach mit mir. Aber vielleichst verstehst du nach diesem Text ja etwas besser, warum ich diesen Schritt unbedingt gehen wollte :).

Mit viel Liebe im Herzen

Dein Chris

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