Achtung: Baustelle!

Wie schön ist doch das Versprechen eines Business Plans. Einmal aufgestellt muss man nur noch dem vorgezeichneten Pfad folgen und schon sind alle glücklich: Investoren, Unterstützer, Kunden und natürlich die Gründer selbst! Denn der Erfolg ist doch vorgezeichnet. Ein Business Plan suggeriert, dass es eine korrekte Art und Weise gibt, ja vielleicht sogar eine klare Abfolge von Schritten, die richtige Reihenfolge, um deine Start-Up-Idee zu realisieren. Und dann schaut man monatelang auf diese Homepage und sieht: Nichts Neues! Aber widerspricht das nicht grundlegend dem oben genannten Muster?

Hey liebe Talententwickler, ihr habt uns neugierig gemacht! Aber wolltet ihr nicht schon längst mal ein paar konkretere Projektinfos rumschicken?!“

Oder

„Ich verfolge euer Projekt schon lange und bin total begeistert. Aber hey, was macht ihr Talententwickler jetzt eigentlich genau?

Das sind zwei Fragen denen ich mich in den letzten Wochen häufig stellen durfte. Ein Teil von mir hat Panik bekommen. Bin ich doch zu langsam? Hätten wir nicht schon längst X oder Y machen müssen? Zum Beispiel mal alle verrückten Ideen, großen Visionen und konkreten Projektstati auf der Homepage bündeln und veröffentlichen?

Ja, das wäre wirklich angenehm gewesen. Hierzu drei Wahrheiten:

Wahrheit #1: Wir hatten einfach nicht die Zeit dafür.

Das Jahr 2015 war so etwas wie das Warm-Up. Ein bisschen Warmlaufen, erste Ideen testen, Feedback holen, netzwerken, Unterstützer finden. Elisa war noch in Elternzeit und ich steckte noch mitten in meinem Bankjob. Zusätzlich habe ich berufsbegleitend eine Master Thesis geschrieben. Die Zeit war knapp. Und wenn die Zeit knapp ist muss man Prioritäten setzen. Was uns direkt führt zu…

Wahrheit #2: Ich hatte einfach keine Lust dazu.

Das wundervolle am eigenen Start-Up ist: Du kannst machen was du willst. Ich weiß, ich weiß. Da sträuben sich einem die Nackenhaare. Das klingt wie ein Eilverfahren Richtung Misserfolg. So bewertet es zumindest ein Teil von mir. Im Laufe der letzten Jahre habe ich mir jedoch die Zeit genommen mich selbst und meine anderen inneren Stimmen zu erforschen. Und mittlerweile macht es mir Spaß immer häufiger auch auf die wohlwollenden unter Ihnen zu hören.

Dadurch ist mir klar geworden: Mir geht es ja gar nicht so sehr darum ein erfolgreiches Start-Up zu gründen. Mir geht es darum, dass ich Dinge anders machen will. Und ein integraler Bestandteil davon ist, dass ich mich sehr stark von meiner eigenen Potentialentfaltung führen lasse. Wenn man diesen Aspekt kombiniert mit einem weiteren Gedanken wirkt Wahrheit #2 plötzlich total logisch.

Als ich im März 2015 den Beschluss gefasst habe meinen Bankjob tatsächlich für immer hinter mir zu lassen war mir klar, dass dieses Jahr ein Jahr des Umbruchs wird. Ab 01.01.2016 sollte alles anders werden. Aber alles, was ich auf dem Weg hin zum Umbruch an Erfahrungen und Feedback einsammeln könnte, wäre ein klasse „nice to have“.

Es war also völlig egal, ob ich in diesem Jahr schon alles „best möglich“ oder „erfolgreich“ durchgeführt habe. Wichtig war, dass ich überhaupt etwas gemacht habe. Und da die Zeit so knapp war, habe ich mich eben auf Dinge fokussiert, die mir Spaß gemacht haben. So waren alle meine „Talententwickler-Aktivitäten“ eine gute Vorbereitung auf die echte Gründungsphase, allen voran waren sie aber auch eine starke Kraftquelle. Abendschichten, schlaflose Nächte und Wochenendeinsätze wurden so nicht nur „leicht erträglich“. Manchmal habe ich gar nicht gemerkt, dass ich arbeite [Achtung Spoiler: Diese Erkenntnis hat super stark mit meiner persönlichen „Work-Life-Romance“ zu tun. Das könnte später noch wichtig werden].

Wahrheit #3: Work in Progress bedeutet, dass sich Pläne ständig ändern.

Im März habe ich gedacht, ich gründe einen Verein „Talententwickler e. V.“. Drei Wochen später hat mir ein cleverer Fuchs und guter Freund klar gemacht, dass ich mich damit ja einiger Möglichkeiten beraube. Erst Recht da ich ja noch gar nicht wusste, in welche Richtung dieses Projekt genau gehen soll. Im Laufe des Aprils und Mais habe ich dann in einem sehr bewussten Visionsabgleich festgestellt, dass ich eine Mitgründerin gefunden habe. Plötzlich waren es gemeinsame Ideen, die sich ständig entwickelt haben.

Die ersten öffentliche Auftritte [„Business meets social impact“, SZ Artikel: „Vom Aufsteiger zum Aussteiger“, „Ashoka in Hannover“, „Change Maker Speeddating“] ergaben sich jeweils durch spontane Einfälle. Wir fragten uns stets: „Ok, was wäre jetzt ein nächster cooler Schritt, der uns und unserer Community hilft?“

Wir haben auch ohne fertigen Business Plan einfach losgelegt. Wir haben visioniert, innoviert und gleichzeitig einfach mal knall hart einige Events auf die Beine gestellt. Ich bin durch die Welt getingelt und habe jedem der nicht bei drei auf den Bäumen war meine Ideen erzählt. Je offener und leidenschaftlicher die Menschen auf meine Ideen reagiert haben, desto verrückter habe ich mir erlaubt zu denken. Mit jeder Begegnung, mit jedem Gespräch kamen neues Feedback und weitere Ideenfragmente von außen hinzu. Und schon wieder hatten sich die ursprünglichen Ideen verändert.

Stellt dir vor du sitzt im Sandkasten, um eine wundervolle Burg zu bauen. In einem Moment denkst du, dass du gerade darüber brütest wie der nächste Turm aussehen kann. Und plötzlich kommt jemand vorbei und du merkst: Mist, der braucht jetzt gar keinen Turm. Der möchte einen Tunnel haben. Und nebenbei merkst du, dass der Spielplatz ja auch noch Schaukeln, Rutschen und 1000 andere Kinder bereit hält. Alle wollen mit dir spielen. Und du gehst so gern dahin, wo du gebraucht wirst.

Häh?

Ja, genau. Work in progress ist leider kein durchstrukturierter Prozess. Zwischendurch habe ich immer mal wieder Projektpläne, To Do Listen und Unternehmensvisionen notiert. Aber eigentlich war das nur um einen Ausgleich zu dem verrückten Visionär in mir aufzubauen. Um einige meiner kritischeren inneren Stimmen zu beruhigen.

In Wahrheit hat „work in progress“ mir unfassbar viel Spaß gemacht. Und anstelle von ein paar „nice to have“-Erlebnissen habe ich im Jahr 2015 unendlich viel mehr auf die Beine gestellt, als ich es mir im März zum Zeitpunkt meiner Entscheidung mit meiner „Talententwickler“-Idee raus in die Welt zu gehen, erhofft hatte. Hätte ich darauf gewartet, bis ich den aalglatten Business Plan über 162 Seiten fertiggestellt habe, dann würde ich heute das Wort Talententwickler noch nicht einmal ausgesprochen haben.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen mal tabula rasa zu machen. Jetzt gibt es eine konkrete Vision, jetzt gibt es konkrete Projekte und erste Prototypen. Und jetzt ist der Zeitpunkt die Dinge niederzuschreiben.

Warum?

Weil ich jetzt Zeit habe. Weil ich jetzt Lust habe. Weil der 01.01.2016 naht. Und weil es langsam ernst wird. Sorry, dass ihr zwischendurch öfter mal auf eine Baustelle gestoßen seid. Und sorry, dass euch das auch in Zukunft immer mal wieder passieren wird.

Denn es gibt noch eine Wahrheit #4, die ich euch verschwiegen habe:

Wahrheit #4:            Der Shit geht weiter.

Vermutlich werden wir in 3 Monaten schon wieder ganz neue verrückte Ideen haben. Und „work in progress“ liebe ich mittlerweile einfach zu sehr, als dass ich mich auf einen festen Plan festlegen würde.

Aber jetzt habt ihr einen Zwischenstand verdient. Den Status Quo.

Ich möchte euch die Chance geben einen tieferen Einblick in die „Talententwickler-DNA“ zu erlangen. Dann könnt ihr für den Moment verstehen, was genau aus diesem Projekt eigentlich werden soll.

Aber Achtung: Gut möglich, dass ihr mit mir bei Sandburg Nr. 2 den Turm fertigstellen wollt, während ich gerade bei Sandburg Nr. 4 den Tunnel grabe und eigentlich auch schon wieder kurz davor bin zum rutschen zu gehen.

Bis dahin werden wir bis Jahresende Artikel zu folgenden Themen veröffentlichen.

  • Warum werden wir Talententwickler?
  • Wie wollen wir als Talententwickler agieren?
  • Was haben wir in 2015 konkret mit wem getan?
  • Was wollen wir in 2016 konkret mit wem tun?

Es sei denn, unser „progress“ holt uns mal wieder ein, bevor „the work“ tatsächlich erledigt wurde… 😉

Alles Liebe,

euer Talententwickler

Chris

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